Impressionen aus Amerika

Nach Amerika,” leicht und keck ruft es der Tollkopf trotzig der ersten
schweren, traurigen Stunde entgegen, die seine Kraft pruefen sollte, seinen
Muth staehlen — “nach Amerika,” fluestert der Verzweifelte der hier am Rand
des Verderbens dem Abgrund langsam aber sicher entgegen gerissen wurde –
“nach Amerika,” sagt still und entschlossen der Arme, der mit maennlicher
Kraft und doch immer und immer wieder vergebens, gegen die Macht der
hier im Vaterlande sieht, und doch nicht betteln _will_, nicht stehlen
_kann_ — “nach Amerika” lacht der Verbrecher nach gluecklich veruebtem Raub,
frohlockend der fernen Kueste entgegen jubelnd, die ihm Sicherheit bringt
vor dem Arm des beleidigten Rechts — “nach Amerika,” jubelt der Idealist,
der wirklichen Welt zuernend, weil sie eben wirklich ist, und ueber den
Ocean drueben ein Bild erhoffend, das dem, in seinem eigenen tollen Hirn
erzeugten, gleicht — “nach Amerika” und mit dem einen Wort liegt hinter
ihnen, abgeschlossen, ihr ganzes frueheres Leben, Wirken, Schaffen — liegen
die Bande die Blut oder Freundschaft hier geknuepft, liegen die Hoffnungen
die sie fuer hier gehegt, die Sorgen die sie gedrueckt — _”nach Amerika!”_

dem, aus jenem Grund — und taeglich, stuendlich noch hoeren wir von anderen,
von denen wir im Leben nie geglaubt dass _sie_ je an Amerika gedacht, wie
sie mit Weib und Kind, mit Hab’ und Gut hinueberziehn. Und _dort_? — noch
er selber die Beschwerden eines solchen Lebens leicht ertragen wuerde,
daran zweifelte er keinen Augenblick; er hatte so viel ueber Amerika
gelesen, sich mit den dortigen Verhaeltnissen aus allen erschienenen
“Ja Kinder, Ihr wisst — wir — wir haben doch in den letzten Tagen viel ueber
Nord-Amerika gesprochen, und auch Manches gelesen — ”

“Der Doctor Haide ist ein Esel,” sagte der Professor, den Rauch wieder ein
paar Mal rasch ausstossend — “wenn der haette in Amerika ordentlich arbeiten
wollen, brauchte er sich jetzt nicht von einer Winkeladvocatur und vom
eine Frage an Euch zu thun, Kinder — Haettet Ihr — haettet Ihr wohl selber
Lust hinueber nach — nach Amerika zu gehn?”

“Nach Amerika?” rief Anna rasch und auch wohl erschreckt. Marie aber
sprang auf, schlug in die Haende und rief jubelnd:

“Nach Amerika? oh das waere ja praechtig — das waere herrlich — nicht wahr da
sind auch Baelle, Vaeterchen?”
“und was wird Herr Kellmann dazu sagen, wenn er es erfaehrt? der ist so
immer gegen Amerika, und hat sich schon oft mit Vater darueber gezankt.”

“Ach der macht mir die geringste Sorge,” sagte Anna in ihrem Schmerz
laechelnd — “wenn man _fuer_ Amerika spricht, schimpft er aus Leibeskraeften,
und citirt Gott weiss was fuer Stellen aus Briefen und Zeitungen, alles

“Herr Kellmann?” lachte Marie — “nun _den_ moecht’ ich in Amerika sehn.”

ueberzusiedeln und dort, mit bescheideneren Beduerfnissen, von Neuem zu
beginnen; Amerika mit seiner ungeheuren Lebenskraft bot ihnen nach allen
Seiten hin die Moeglichkeit der Existenz, und das gut und zweckmaessig
schien — “Ledermann, Mensch, wo sind Sie jetzt mit Ihren Gedanken, im
rothen Drachen bei Heilingen, im Monde, oder in Amerika?”

“Wenn Sie sich eine kleine Farm in Amerika kauften.”

gut, kommen Sie uns hier nicht mit Ihrer alten Leier von dem verdammten
Amerika, und verderben Sie uns das Bier nicht — hier ist auch Nichts zu
verdienen, denn von uns geht doch keiner hinueber.”
weiss noch Niemand was er naechstes Jahr thun wird, und verschwoeren laesst
sich so eine Sache nun einmal gar nicht — Amerika ist immer noch ein
Zufluchtsort.”
Vogelscheuche ueber den Erbsen. Wir haben _hier_ eben so viele schlechte
Charaktere wie in Amerika.”

lumpigen Literaten selbst die Hoelle himmelblau an, und kleben von oben bis
unten Sterne drueber. Lasst mir jetzt Euer Geschwaetz von Amerika hier, oder
ich stehe, Gott straf mich, auf, und setze mich wo anders hin.”
gegangen. ‘Was Schlechtes koennen Sie dem Mann ueberhaupt nicht nachsagen,
denn dass er fuer Amerika wirbt, ist einesteils sein Geschaeft, anderntheils
seine Ansicht, und er koennte Ihnen von _seinem_ Standpunkt aus dann
und hinueber werfend — “Jemand ungluecklich machen, dass man ihm von einer
Auswanderung nach Amerika abraeth, waere gerade so, als ob ich als eines
Menschen Moerder betrachtet wuerde, den ich abhalte aus dem dritten Stock
brauchen, die Leute heimlich beschwatzen dass sie Hof und Dienst verlassen
und nach Amerika liefen — ei Du Hallunke, Du kommst mir einmal wieder vor
die Faeuste.”
erzaehlten sich untereinander wie der “Auswanderungsmann” einen
Schaafknecht vom Gut haette bereden wollen als “Schaafmeister” nach Amerika
auszuwandern, und vom Verwalter dabei erwischt waere, und der
die Sache auch schon erledigt, indem die Schiffsanzeige _fuer_, sein
Artikel aber _gegen_ Amerika und die Auswanderung waere, und er es sich zum
Grundsatz gemacht haette, jeden Artikel nach beiden Seiten hin zu
unbedeutender Wichtigkeit, als sich mehre Familien dieser Stadt ernstlich
dahin entschlossen hatten, mit demselben nach Amerika auszuwandern. So
unter Anderen Professor Lobenstein, der sein Haus jetzt verkauft, und der
Auch in dem Dollinger’schen Haus hatten die letzten Wochen bedeutende
Veraenderungen hervorgebracht, indem der junge Henkel Briefe von Amerika
erhielt, nach denen seine Anwesenheit dort, dringend nothwendig geworden.
freilich noch, in der kurzen Zeit all die noethigen und so mannichfachen
Vorbereitungen zu einer Reise nach Amerika fuer die junge Frau zu treffen.
Es sollte aber wirklich auch nicht viel mehr als eine Reise werden, denn
Henkel hatte sich schon selber fest erklaert, seinen kuenftigen Wohnsitz
keineswegs in Amerika, sondern in Havre nehmen zu wollen, wo ueberdies, der
bedeutenden Geschaeftsverbindung wegen mit diesem Hafen, ein Associe des
herzurichten waren, nur zu einer Reise nicht zu einer Uebersiedlung nach
Amerika, und man diese schon grossenteils gepackt und vorausgeschickt
hatte, die letzten Stunden in der Heimath durch kein Aussuchen und Packen
auf das Klarste und Unumstoesslichste was jedes einzelne Stueck Meublen und
Hausgeraeth in notwendiger Folgerung in Amerika kosten muesse. Eben so hatte
er sich mit unendlicher Ausdauer einen Ueberschlag der verschiedenen
leichten Ballkleid und mit Ihrem gewoehnlichen heiteren Gesicht, als in der
Sackleinwand und — hm — das verdammte Amerika. Geht denn Eduard jetzt
noch mit, oder bleibt er da? wo steckt er denn wieder? — der ist immer
nicht mit jedem Jahre auch neue Beduerfnisse kennen lernten und befriedigt
haben wollten, so haetten wir alle Platz, und das verwuenschte Amerika
koennte sehen wo es Haende und Faeuste bekaem zuzupacken und ihm den Boden zu
Dienstleute, ich glaube einen Schaefer, verlocken nach seinem geruehmten
Amerika auszuwandern.”

Menschenverstand verbindet, und besonders schaetzenswerthe statistische
Kenntnisse Amerika’s besitzt.”

gleich widersprechen kann, weil sich der Gegenbeweis eben nicht fuehren
laesst. Wenn das Alles wahr ist was er ueber Amerika sagt, waere _er_ der
groesste Esel wenn er nicht selber hinueberginge.”
“Ja, das kennen wir schon,” sagte Kellmann, “und wenn mich irgend etwas
glauben machen koennte dass _er_ wirklich Amerika kennt, so waere es der
Umstand dass er selber nicht hinuebergeht.”

“Nach Amerika? — ja, weiter fehlte mir gar Nichts; aber heute sind es
wirklich andere Sachen die mir im Kopf herumgehn.”
sein, geschrieben, dass er recht sparsam lebe, und bald so viel zusammen zu
haben hoffe mit ihr, der Schwester, nach Amerika auszuwandern, dort
vielleicht ein kleines Geschaeft oder irgend etwas Anderes anzufangen,
Kellmann erbot sich dann auch, sie zu seiner Mutter zu fuehren, wo sie
wenigstens bleiben konnte bis sich etwas Weiteres entschieden. Von Amerika
sagte er ihr noch Nichts, die naechsten Tage mochten sie erst mit dem

Der aelteste Sohn Georg ging zu Schiff — ging nach Amerika ueber das weite,
wilde Weltmeer nach einem anderen Vaterland, dort fuer den unruhigen Geist
Anblick des Elends hatte ihm diese Rolle unerträglich gemacht. Es hatte
sich eine Gelegenheit zur Überfahrt nach Amerika geboten. Drüben war er
gezwungen, sein Brot zu verdienen. Er griff zum Schwersten, ging unter
davonmachte. Er sollte nach einer Hafenstadt, am selben Abend noch, und
von dort nach Amerika. Ist es nicht so? Sie boten ihm das Geld, Sie
entwickelten ihm Ihren Plan, und Sie erwarteten, daß er ohne Zögern
Er begann stockend: »Es ist wahr, ich bin hinüber zu ihm, um ihm das
Geld zu geben. An Amerika hab ich nicht gedacht; nur möglichst schnell
fort mit ihm, dacht ich, und möglichst weit, damit einem wenigstens der
worden von ihr; kurzen Prozeß gemacht: eine Kugel durch ihren Kopf, bei
Nacht und Nebel davon. Nach Amerika. In einer Dampfwäscherei gearbeitet;
auf einem Kohlendock in Monreal; in einer Wurstfabrik in Chikago; bei
verbreitete Fabel ist, die uns die Ansicht beigebracht hat, die Syphilis
sei aus Amerika gekommen. Es geschah wahrscheinlich zur höheren Ehre
Gottes. Sie ist aus dem Orient gekommen, lange bevor die frommen
gleichgerichtete Unternehmen Seiner herzoglichen Gnaden von Hessen sei
dies: England in seinem Kampf wider das aufständische Amerika brauche
Soldaten, fahnde nach Soldaten und zahle für jeglichen Mann vier- bis
seine ökonomische Schwächung — die schon durch die Umgestaltung
der Weltmarktsbeziehungen in Folge der Entdeckung von Amerika und
des Seewegs nach Ostindien veranlaßt war — noch vergrößerten und
zuvor auf die dem Handel neuen und günstigen Chancen hinwiesen,
welche die Befreiung beider Amerika im Gefolge haben werde. Nun,
welches sei die Ursache dieser überraschenden Krise gewesen? Es war
spanische Bettelbevölkerung in Abzug bringe, zählten die beiden
(Nord- und Süd-) Amerika kaum 20 Millionen konsumtionsfähiger
Bewohner, man habe aber für 200 Millionen konsumtionsfähiger
gegenüber sahen, zum Sturz. Den verunglückten Machinationen in
Amerika folgten als Gegenschlag die Bankerotte in Europa. Das ist
der einfache Hergang der so räthselhaft erschienenen Ereignisse.
Empfindung, als er nach den Bemühungen eines halben Lebens das südliche
Amerika umsegeln konnte und endlich den Ozean jenseits des Kontinents
erblickte. Welches Staunen, welche Freude, welche mystische Furcht! Oder
neutralem Schiff unerkannt die heimischen Gestade wiederzugewinnen. Er
wählte mit einem kleinen Gefolge Getreuer den Weg über Amerika, wo er
die Gelegenheit zur Überfahrt am leichtesten zu finden hoffte. Seine
Seemann vielleicht, der sich dafür einen Theil der sieben Millionen
sichert, warnen und nach Amerika flüchten lassen.«

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