Impressionen aus Amerika Teil 3
Man wird z. B. an den vor kurzem gestorbenen Amerikaner =Jay
Gould= erinnern, der als armer Hirtenjunge in Amerika einwanderte und als
beispielloser Millionär starb. Diese Ausnahmen oder Glücksfälle können und
Deutschlands, während Frankreich hinsichtlich der Verteilung von Grund und
Boden weit besser daran ist. Sogar in Amerika, wo doch Überfluss an Grund
und Boden vorhanden ist, machen sich die traurigen Folgen des privaten
enormen Nachteile einer solchen Anhäufung in politischer Beziehung sind
namentlich dort bemerkbar, wo, wie z. B. in Amerika, die unglückliche
Manchesterdoktrin herrschend ist, und wo mitunter grosse oder reiche
ungestraft die Hälse oder mindestens Arme und Beine. Ja, man verhehlt sich
in Amerika nicht die Gefahr, dass sich mit der Zeit das Eisenbahn-Monopol
sogar den Congress und die Bundesregierung dienstbar machen werde. Aber
mutandis_ auch bei den Menschen sein. In der That hat sich Verfasser
während seines Aufenthaltes in Amerika erzählen lassen, dass dort,
namentlich in der Stadt Newyork, sehr reiche Familien die
Dasselbe gilt von dem sechsten Punkt, welcher die so oft von allen
vorgeschrittenen politischen Parteien verlangte und in Amerika längst
durchgeführte =Trennung des Staates von der Kirche= verlangt.
und ginge sein Weg über das weite Meer. Vor zwei Jahren hat sich in
Tremis einer, der in Amerika gestorben ist, seinem Bruder angezeigt.«
»Lebt wohl, Tante, Frau Präsident,« ruft er. »Nach der Postkasse fragt
nicht — ich gehe nach Amerika — und der Revolver ist für Verfolger
geladen.«
Verschwinden Thöni Griegs nicht viel macht. Vor ein paar Jahren hat er
schon gesagt, er gehe nach Amerika, gestern hat er es beim Glottermüller
mit dem Zusatz wiederholt, es sei in der Umgebung des Presi nicht mehr
der Post über den Paß haben fahren sehen, hätte ich ihn heruntergelangt
und ihm eine Tracht Ohrfeigen mit nach Amerika gegeben, dem Lausbuben,
der seinen nächsten Verwandten nicht einmal ein Lebewohl und ‘Es ist mir
Weltverschuldungskreises bedeutet. Die Weltverschuldung umfasst Europa
und Amerika gemeinschaftlich. Die europäischen Staaten fast sämtlich
schulden direkt oder indirekt an Amerika, sie schulden ausserdem
untereinander. Die meisten sind Gläubiger und Schuldner zugleich;
sein müssen. Gelingt es, dieses Problem — und es wird nur gelingen unter
dem Hinzutritt von Amerika — einer erträglichen Lösung zuzuführen, so
ist damit auch die Lösung der deutschen Reparation ermöglicht.
Weltfrieden darstellen wird. In hohem Masse wird das Ergebnis von Genua
davon abhängen, welche Stellung Amerika entschlossen ist, zu dem
Reparationsproblem, zum Friedensproblem überhaupt einzunehmen.
in das Leben der Völker stattgefunden hat. Durch sein Eintreten in den
Krieg hat Amerika den Krieg entschieden, durch sein Eintreten in den
Friedenskongress hat Amerika den Frieden entschieden und durch seinen
Eintritt in die Weltprobleme der Verschuldung und der Sanierung wird
Amerika in der Lage sein, die Weltentwicklung in wirtschaftlicher und
friedenbringender Richtung zu entscheiden.
Vielfach hat man bei uns die Vorstellung, Amerika sei ein Land, das
lediglich seinen grossen materiellen Aufgaben lebt, von der Natur
so entschieden durch Erwägungen ideeller Art zu bewegen sind wie
Amerika. Ich glaube, dass die Motive, die Amerika zum Krieg und zur
Friedensschliessung getrieben haben, nicht so sehr auf materiellen
Wünschen beruhten, wie auf der Ueberzeugung einer Verantwortung, und ich
glaube deshalb, dass Amerika sich nicht derjenigen Verantwortung
entziehen wird, die ihm durch sein entscheidendes Eingreifen in die
europäischen Schicksale erwachsen ist. Ich weiss, dass in Amerika eine
starke Tendenz besteht, die dahin gerichtet ist, zu sagen, Europa ist
zu tun haben. Es ist durchaus verständlich, wenn eine solche Auffassung
gehegt wird. Aber ich glaube, in Amerika werden Gegenkräfte wach und
stark sein, die die Auffassung vertreten, Europa darf nicht zugrunde
Verantwortung trägt. Ich glaube auch, dass diejenige Auffassung in
Amerika, die sagt, wir sind materiell am Geschick Europas so gut wie
uninteressiert, nicht das Richtige trifft.
Ich habe von Amerika her Stimmen vernommen, die behaupteten, der ganze
Aussenhandel Amerikas nach Europa bedeute ausserordentlich wenig, er
bedeute, sagten die einen 4 Prozent, die anderen 7 Prozent der
amerikanischen Produktion. Ich glaube, dass diese Zahl in Amerika sehr
ernstlich der Nachprüfung bedarf und dass sie auch eine Nachprüfung
gewesen als seine Weltausfuhr, so wäre diese Produktion so gewaltig,
dass sie sich mit der Arbeiterzahl, über die Amerika verfügt, nicht
entfernt hätte leisten lassen. Der Anteil der Ausfuhr an amerikanischer
Produktion ist tatsächlich erheblich grösser, und Amerika wird auch in
materiellem Sinne erkennen, dass es wünschenswert ist, einen so starken
europäischen Schicksalen wieder zuzuwenden, die von ihr abhängen.
Gleichviel, ob Amerika sich entschliesst, sich an Genua zu beteiligen
oder nicht, glaube und hoffe ich, dass Europa nicht ganz allein auf sich
Kann nun Genua dieser friedlosen Welt den ersehnten Frieden bringen? –
Amerika hat die Beteiligung an Genua abgelehnt mit der Begründung, Genua
sei eine politische Konferenz; Hauptfragen der wirtschaftlichen Probleme
Europas einzulassen. In erster Linie ist es eine schwere
Europamüdigkeit, die Amerika befallen hat nach den Erfahrungen des
Krieges und nach den Erfahrungen des beginnenden Friedens. Wer das Tun
der Nachprüfung nicht stand, und ich glaube, dass man in kurzer Zeit in
Amerika erkennen wird, dass der Prozentsatz der Ausfuhr im Verhältnis
zur Produktion ein ganz bedeutend grösserer ist. Ich schätze das
Verhältnis der Ausfuhr zur amerikanischen Fertigproduktion auf
mindestens 20 bis 25 Prozent. Auf eine solche Ausfuhr aber wird Amerika
auf die Dauer nicht leicht verzichten.
Plausibel für die amerikanische Nichteinmischung ist aber noch ein
dritter Grund. Amerika sagt: warum sollen wir unser Geld Europa zur
Verfügung stellen, einem Kontinent, der es nur für seine Rüstungszwecke
verbraucht? Das ist ein Einwand, den man verstehen kann. Aber ich
glaube, Amerika wird empfinden, dass man einem Ertrinkenden keine
Bedingungen stellt. Es ist nicht möglich, zu warten, bis der Geist des
Geheimrat Wiedfeldt, bestimmt, uns in Washington zu vertreten. Ich
glaube, dass diese Wahl von Amerika gut aufgenommen werden wird. Denn
Amerika wünschte sich einen starken Mann der Wirtschaft, und ich hoffe,
dass Herr Wiedfeldt drüben ein gesegnetes Feld seiner Tätigkeit finden
wird. Noch nie hat eine Nation so unentrinnbar das Schicksal eines
Kontinents in der Hand gehalten wie Amerika im gegenwärtigen Augenblick.
Eine gewaltige Verantwortung ist mit dieser Machtstellung verbunden, zu
der diejenige des Krieges hinzutritt, den Amerika entschieden hat, und
des Friedens, den es gleichfalls bestimmte. Wir dürfen hoffen, dass
Amerika, das wir nicht lediglich als ein Land materieller Interessen
ansehen dürfen, sondern von dem wir anerkennen müssen, dass es ein Land
jenes einen grossen Reiches, das niemandem schuldet und Gläubiger aller
ist, nämlich Amerika, ohne dessen Beteiligung der Wiederaufbau Europas
unmöglich wird. Vor allem aber können den überschuldeten Ländern neue
Gläubigern und Schuldnern ein wirtschaftliches Dasein führen, wenn am
einen Ende der Kette ein grosses Reich, Amerika, steht, das niemandem
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