In Amerika Teil 1
Es sollte aber wirklich auch nicht viel mehr als eine Reise werden, denn
Henkel hatte sich schon selber fest erklärt, seinen künftigen Wohnsitz
keineswegs in Amerika, sondern in Havre nehmen zu wollen, wo überdies, der
bedeutenden Geschäftsverbindung wegen mit diesem Hafen, ein Associé des
herzurichten waren, nur zu einer Reise nicht zu einer Uebersiedlung nach
Amerika, und man diese schon großenteils gepackt und vorausgeschickt
hatte, die letzten Stunden in der Heimath durch kein Aussuchen und Packen
auf das Klarste und Unumstößlichste was jedes einzelne Stück Meublen und
Hausgeräth in notwendiger Folgerung in Amerika kosten müsse. Eben so hatte
er sich mit unendlicher Ausdauer einen Ueberschlag der verschiedenen
leichten Ballkleid und mit Ihrem gewöhnlichen heiteren Gesicht, als in der
Sackleinwand und — hm — das verdammte Amerika. Geht denn Eduard jetzt
noch mit, oder bleibt er da? wo steckt er denn wieder? — der ist immer
nicht mit jedem Jahre auch neue Bedürfnisse kennen lernten und befriedigt
haben wollten, so hätten wir alle Platz, und das verwünschte Amerika
könnte sehen wo es Hände und Fäuste bekäm zuzupacken und ihm den Boden zu
Dienstleute, ich glaube einen Schäfer, verlocken nach seinem gerühmten
Amerika auszuwandern.«
Menschenverstand verbindet, und besonders schätzenswerthe statistische
Kenntnisse Amerika’s besitzt.«
gleich widersprechen kann, weil sich der Gegenbeweis eben nicht führen
läßt. Wenn das Alles wahr ist was er über Amerika sagt, wäre _er_ der
größte Esel wenn er nicht selber hinüberginge.«
»Ja, das kennen wir schon,« sagte Kellmann, »und wenn mich irgend etwas
glauben machen könnte daß _er_ wirklich Amerika kennt, so wäre es der
Umstand daß er selber nicht hinübergeht.«
»Nach Amerika? — ja, weiter fehlte mir gar Nichts; aber heute sind es
wirklich andere Sachen die mir im Kopf herumgehn.«
sein, geschrieben, daß er recht sparsam lebe, und bald so viel zusammen zu
haben hoffe mit ihr, der Schwester, nach Amerika auszuwandern, dort
vielleicht ein kleines Geschäft oder irgend etwas Anderes anzufangen,
Kellmann erbot sich dann auch, sie zu seiner Mutter zu führen, wo sie
wenigstens bleiben konnte bis sich etwas Weiteres entschieden. Von Amerika
sagte er ihr noch Nichts, die nächsten Tage mochten sie erst mit dem
Der älteste Sohn Georg ging zu Schiff — ging nach Amerika über das weite,
wilde Weltmeer nach einem anderen Vaterland, dort für den unruhigen Geist
“Nach Amerika!” — Leser, erinnerst Du Dich noch der Maerchen in “Tausend
und eine Nacht”, wo das kleine Woertchen “Sesam” dem, der es weiss, die
“Nach Amerika,” leicht und keck ruft es der Tollkopf trotzig der ersten
schweren, traurigen Stunde entgegen, die seine Kraft pruefen sollte, seinen
Muth staehlen — “nach Amerika,” fluestert der Verzweifelte der hier am Rand
des Verderbens dem Abgrund langsam aber sicher entgegen gerissen wurde –
“nach Amerika,” sagt still und entschlossen der Arme, der mit maennlicher
Kraft, und doch immer und immer wieder vergebens gegen die Macht der
hier im Vaterlande sieht, und doch nicht betteln _will_, nicht stehlen
_kann_ — “nach Amerika” lacht der Verbrecher nach gluecklich veruebtem Raub,
frohlockend der fernen Kueste entgegen jubelnd, die ihm Sicherheit bringt
vor dem Arm des beleidigten Rechts — “nach Amerika,” jubelt der Idealist,
der wirklichen Welt zuernend, weil sie eben wirklich ist, und ueber dem
Ocean drueben ein Bild erhoffend, das dem in seinem eigenen tollen Hirn
erzeugten, gleicht — “nach Amerika” und mit dem einen Wort liegt hinter
ihnen, abgeschlossen, ihr ganzes frueheres Leben, Wirken, Schaffen — liegen
die Bande die Blut oder Freundschaft hier geknuepft, liegen die Hoffnungen
die sie fuer hier gehegt, die Sorgen die sie gedrueckt — _”nach Amerika!”_
dem, aus jenem Grund — und taeglich, stuendlich noch hoeren wir von anderen,
von denen wir im Leben nie geglaubt dass _sie_ je an Amerika gedacht, wie
sie mit Weib und Kind und Hab und Gut hinueberziehn.
Die Weberfamilie
Nach Amerika
Der Tanz im rothen Drachen
auch, auf das Geschrei an Bord, rasch in diesen zuruecksprangen, trieb doch
Clara schon hinter dem Dampfboot aus, als der junge, eben von Amerika
zurueckgekehrte Mann, der dem ganzen Vorfall vom Deck des Dampfers
manchmal bei recht guter Laune war, nannte, auffaellig niedergeschlagen
gewesen; er hatte Briefe von Amerika bekommen, wie er sagte, und ein sehr
lieber Freund von ihm war dort schwer erkrankt, auch ein Schiff das ihm
“Nach Amerika.”
“Ihr wollt Euch wohl ein paar von den gebratenen Tauben holen die in
Amerika herumfliegen?” mischte sich hier der Apotheker in’s Gespraech, der
nicht umhin konnte dem “Auswanderer”, wie er sich ausdrueckte, “einen Hieb
aufheben, und ein paar Thaler sollten doch auch noch wenigstens, wenn das
irgend anging, uebrig bleiben, damit sie nur die ersten Tage in Amerika,
ehe sie Arbeit bekaemen, vor Sorge geschuetzt waeren. Den glaenzenden
“Nicht so arg?” rief aber Schollfeld, der hier sein Steckenpferd ritt, und
sich selten eine Gelegenheit entgehen liess auf Amerika zu schimpfen –
“nicht so arg? da, hier lesen Sie einmal das Tageblatt, was der wackere
der er nicht ein oder den anderen Hieb auf die Verhaeltnisse Ihres
“gluecklichen Amerika” hat — das muss ja ein wahres Raubnest sein, lesen Sie
nur einmal.”
weggelaufener Advokat, den die Verhaeltnisse aus Deutschland vertrieben,
und den in Amerika Niemand mit seinen Talenten haben mochte. Zu faul zum
arbeiten, und nicht im Stande etwas Anderes zu thun, wurde er dort
Thuer geworfener Mops, stellt er sich jetzt draussen hin, wo sich Niemand
die Muehe giebt ihn zu stoeren, und schimpft und klefft. Ich will Amerika
eben nicht in allem vertheidigen, aber was _der_ gerade darueber sagt wuerde
“Na jetzt freut mich aber mein Leben,” rief Herr Schollfeld erstaunt aus –
“erst schimpfen Sie selber auf Amerika, und nun auf einmal soll der arme
Doktor die ganze Schuld tragen.”
“Ich _schimpfe_ nicht auf Amerika,” sagte Kellmann ruhig, “ich kann nur
nicht leiden wenn man es auf Kosten unseres eigenen Vaterlandes
“Nach Amerika,” sagte aber der junge Mann entschlossen und wollte noch
etwas hinzusetzen, aber der Apotheker schlug dermassen auf den Tisch, und
gebrachte Glas auf einen Zug hinuntergoss, wie um seinen Ingrimm damit
nieder zu spuelen — “wenn Ihr nach Amerika auswandern wollt, wer soll denn
noch da bleiben?”
sagte Lobsich, sich den Kopf kratzend — “Schwerebrett das ist mir — hm –
hm — ist mir doch was Unbedeutendes, das — das Amerika.”
“Der auf dem Pferd, war der Dings da von Amerika,” sagte der Apotheker
jetzt, “der das schmaehlige Geld hat und des reichen Dollingers Tochter
Gesetzen, unseren Vergnuegungen selber, ja unserem Klima und Land, das doch
zum Henker auch _sein_ Vaterland ist, mit der groessten Verachtung. Amerika,
und immer wieder Amerika, hinten und vorn; ei Blitz und Hagel, ich will
gar nicht leugnen dass es manche gute Seiten haben mag, das Amerika, wenn
ich sie auch gerade nicht einsehen kann, aber so viel besser wie unser
mann es ihnen gestattet, anzumassen wissen. Ganz vorzueglich wusste er diese
Miene anzunehmen, wenn er ueber Amerika, oder irgend einen ueberseeischen
Fleck Landes sprach, ueber dem fuer ihn ein gewisser heiliger und
unantastbarer Zauber schwamm, und Jemand dann irgend einen Zweifel gegen
das Gesagte zu hegen wagte. Er schwaermte besonders fuer Amerika, und es gab
deshalb auch, seiner Aussage nach, keinen groesseren Luegner in der Stadt,
wie saemmtliche uebrige Bewohner Deutschland’s, in solche ein “die Energie
hatten,” d. h. zu ihm kamen und sich bei ihm einen “Platz nach Amerika”
besorgen liessen, wo sie nachher drueben selber sehn konnten wie sie fertig
Er selber kannte die Verhaeltnisse Amerika’s nur aus Buechern die das Land
lobten, denn andere las er gar nicht, und bekam er sie einmal zufaellig in
der haeufigen Annoncen wegen halten _musste_, und das ebenso regelmaessig
kleine gehaessige und schmutzige Artikel gegen Amerika wie ueberhaupt gegen
Alles brachte, was sich frei und selbststaendig bewegte.
seinem Ziel entgegen, und richtete in der That viel Unheil an. Seine
Beschreibungen Amerika’s, die er sich selber in kleinen Brochueren aus
anderen Buechern zusammentrug, und um ein Billiges verkaufte, waren ein
“Sie befoerdern Passagiere nach Amerika?”
“Nach Amerika? — denke so, hehehe,” lachte Herr Weigel, sich vergnuegt die
Haend reibend, “habe schon ganze Colonien hinueber geschafft, Maenner und
sie hier haben, und was sie dort erwartet — ist doch ein famoses Land, das
Amerika.”
das ist der Hauptpunkt, der Nervum Rehrum, der die ganze Geschichte
eigentlich zusammenhaelt, Amerika und Europa und die umliegenden
Dorfschaften, heh, heh, heh.”
fast wie aengstlich fort — “irgend ein armer Teufel sein ganzes Hoffen eben
auf eine Reise nach Amerika gesetzt haette, und bestimmt wuesste dass er dort,
wenn auch nicht gerade sein Glueck machen, doch sein Auskommen finden
von einem ploetzlichen Gedanken ergriffen, “wenn man sich nun verbindlich
machte die Passage nach einer bestimmten Zeit in Amerika nachzuzahlen –
sie dort abzuverdienen?”
“Seid Ihr der Mensch der die Leute nach Amerika schickt?” sagte da der
Eine von ihnen, eine breitkraeftige, sonngebraeunte Gestalt mit vollkommen
“Nun nach Amerika _schicken_ thu’ ich sie gerade nicht,” laechelte Herr
Weigel, die Anderen dabei ansehend, und etwas verlegen ueber die vielleicht
“Ach, ein armer Teufel, der gern mit umsonst nach Amerika hinueber moechte,”
sagte Herr Weigel — “er thut zwar als waer’ es nur fuer einen armen
“Umsonst mit nach Amerika?” sagte der erste Sprecher verwundert, “_der_
sieht doch nicht aus als ob er etwas umsonst haben wollte, der ging ja
“Also Sie wollten mitsammen nach Amerika gehn und sich eine ordentliche
Farm, gleich mit Land, Vieh, Haeusern und was dazu gehoert, ankaufen heh? –
“Der Missouri, einer der groessten Stroeme Amerika’s, ueber eine englische
Meile breit, und viel hundert Meilen hinauf schiffbar; alle Wetter meine
durch die Welt zu kommen; aber Einen der es besser _meint_ dabei, werden
Sie wohl schwerlich finden, und ich ueberrede gewiss Niemanden nach Amerika
auszuwandern. Jeder Mensch muss seinen freien Willen haben, und auch am
“Ne gewiss,” sagte Menzel — “da habt Ihr ganz recht, das ist auch mein
Grundsatz; aber das mit dem Amerika leuchtet mir auch ein, und umsonst
thut da gewiss Niemand etwas — das sind verflixte Kerle da, hab’ ich mir
sind, sondern dass die hier in Deutschland geloesten Plaetze auch noch den
Vorrang haben vor allen in Amerika genommenen, wenn einmal Eisenbahn oder
Dampfboote zu sehr besetzt sein sollten. Es ist ja hier gerade so mit der
“Nicht in den Kopf?” rief aber Menzel — “und warum nicht? — der Mann
bekommt alle Tage Briefe aus Amerika, warum soll der nicht wissen was dort
zu verkaufen ist?”
“Ja krieg’ ihn einmal wenn Du drueben in Amerika bist,” sagte Brauhede
ruhig — “das ist ein verwuenscht weiter und umstaendlicher Weg und — wenn
“Nun in Amerika — ”
“Aber Freund,” rief Herr Weigel verwundert — “ein Mann der fleissig
arbeitet bringt es dort immer zu was. Wetter noch einmal, Meister, Amerika
ist gerade der Platz fuer Euch, wo Ihr Euch ruehren und ausbreiten koenntet –
“Es ist eine verwuenschte Geschichte mit dem Amerika,” seufzte der Mann
wieder, sich hinter dem Ohr kratzend — “man hoert so viel davon, und sieht
“Bah, Taube,” sagte Herr Weigel muerrisch — “wenn die Taube auf dem Dach
eben so fest und sicher sitzen bleibt bis man sie holen kann, wie Amerika
ruhig liegt, und auf die wartet die hinueber kommen, so ist sie mir lieber
Geschichten, was man nicht Alles hoert auf der Welt. — Nun wollen wir also
einmal sehen was der Herr da aus Amerika schreibt — hm — Washington
County, Tennessee den siebenten Januar 18 — alle Wetter der Brief ist
“Nach Amerika;” sagte der Mann leise — so leise dass sie das Wort wohl
nicht einmal verstand, und nur an der Bewegung der Lippen es sah und
“Auswandern? — nach Amerika? — hm — ich weiss noch nicht,” brummte der
Fremde, sich den Bart streichend — “es waere aber moeglich dass sie Einen
“Nach Amerika!” — Leser, erinnerst Du Dich noch der Maerchen in “Tausend
und eine Nacht”, wo das kleine Woertchen “Sesam” dem, der es weiss, die
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