Nach Amerika Teil 2

»Der auf dem Pferd, war der Dings da von Amerika,« sagte der Apotheker
jetzt, »der das schmählige Geld hat und des reichen Dollingers Tochter
Gesetzen, unseren Vergnügungen selber, ja unserem Klima und Land, das doch
zum Henker auch _sein_ Vaterland ist, mit der größten Verachtung. Amerika,
und immer wieder Amerika, hinten und vorn; ei Blitz und Hagel, ich will
gar nicht leugnen daß es manche gute Seiten haben mag, das Amerika, wenn
ich sie auch gerade nicht einsehen kann, aber so viel besser wie unser
mann es ihnen gestattet, anzumaßen wissen. Ganz vorzüglich wußte er diese
Miene anzunehmen, wenn er über Amerika, oder irgend einen überseeischen
Fleck Landes sprach, über dem für ihn ein gewisser heiliger und
unantastbarer Zauber schwamm, und Jemand dann irgend einen Zweifel gegen
das Gesagte zu hegen wagte. Er schwärmte besonders für Amerika, und es gab
deshalb auch, seiner Aussage nach, keinen größeren Lügner in der Stadt,
wie sämmtliche übrige Bewohner Deutschland’s, in solche ein »die Energie
hatten,« d. h. zu ihm kamen und sich bei ihm einen »Platz nach Amerika«
besorgen ließen, wo sie nachher drüben selber sehn konnten wie sie fertig

Er selber kannte die Verhältnisse Amerika’s nur aus Büchern die das Land
lobten, denn andere las er gar nicht, und bekam er sie einmal zufällig in
der häufigen Annoncen wegen halten _mußte_, und das ebenso regelmäßig
kleine gehässige und schmutzige Artikel gegen Amerika wie überhaupt gegen
Alles brachte, was sich frei und selbstständig bewegte.
seinem Ziel entgegen, und richtete in der That viel Unheil an. Seine
Beschreibungen Amerika’s, die er sich selber in kleinen Brochüren aus
anderen Büchern zusammentrug, und um ein Billiges verkaufte, waren ein

»Sie befördern Passagiere nach Amerika?«

»Nach Amerika? — denke so, hehehe,« lachte Herr Weigel, sich vergnügt die
Händ reibend, »habe schon ganze Colonien hinüber geschafft, Männer und
sie hier haben, und was sie dort erwartet — ist doch ein famoses Land, das
Amerika.«

das ist der Hauptpunkt, der Nervum Rehrum, der die ganze Geschichte
eigentlich zusammenhält, Amerika und Europa und die umliegenden
Dorfschaften, heh, heh, heh.«
fast wie ängstlich fort — »irgend ein armer Teufel sein ganzes Hoffen eben
auf eine Reise nach Amerika gesetzt hätte, und bestimmt wüßte daß er dort,
wenn auch nicht gerade sein Glück machen, doch sein Auskommen finden
von einem plötzlichen Gedanken ergriffen, »wenn man sich nun verbindlich
machte die Passage nach einer bestimmten Zeit in Amerika nachzuzahlen –
sie dort abzuverdienen?«

»Seid Ihr der Mensch der die Leute nach Amerika schickt?« sagte da der
Eine von ihnen, eine breitkräftige, sonngebräunte Gestalt mit vollkommen

»Nun nach Amerika _schicken_ thu’ ich sie gerade nicht,« lächelte Herr
Weigel, die Anderen dabei ansehend, und etwas verlegen über die vielleicht

»Ach, ein armer Teufel, der gern mit umsonst nach Amerika hinüber möchte,«
sagte Herr Weigel — »er thut zwar als wär’ es nur für einen armen

»Umsonst mit nach Amerika?« sagte der erste Sprecher verwundert, »_der_
sieht doch nicht aus als ob er etwas umsonst haben wollte, der ging ja

»Also Sie wollten mitsammen nach Amerika gehn und sich eine ordentliche
Farm, gleich mit Land, Vieh, Häusern und was dazu gehört, ankaufen heh? –

»Der Missouri, einer der größten Ströme Amerika’s, über eine englische
Meile breit, und viel hundert Meilen hinauf schiffbar; alle Wetter meine
durch die Welt zu kommen; aber Einen der es besser _meint_ dabei, werden
Sie wohl schwerlich finden, und ich überrede gewiß Niemanden nach Amerika
auszuwandern. Jeder Mensch muß seinen freien Willen haben, und auch am
»Ne gewiß,« sagte Menzel — »da habt Ihr ganz recht, das ist auch mein
Grundsatz; aber das mit dem Amerika leuchtet mir auch ein, und umsonst
thut da gewiß Niemand etwas — das sind verflixte Kerle da, hab’ ich mir
sind, sondern daß die hier in Deutschland gelösten Plätze auch noch den
Vorrang haben vor allen in Amerika genommenen, wenn einmal Eisenbahn oder
Dampfboote zu sehr besetzt sein sollten. Es ist ja hier gerade so mit der
»Nicht in den Kopf?« rief aber Menzel — »und warum nicht? — der Mann
bekommt alle Tage Briefe aus Amerika, warum soll der nicht wissen was dort
zu verkaufen ist?«

»Ja krieg’ ihn einmal wenn Du drüben in Amerika bist,« sagte Brauhede
ruhig — »das ist ein verwünscht weiter und umständlicher Weg und — wenn

»Nun in Amerika — «

»Aber Freund,« rief Herr Weigel verwundert — »ein Mann der fleißig
arbeitet bringt es dort immer zu was. Wetter noch einmal, Meister, Amerika
ist gerade der Platz für Euch, wo Ihr Euch rühren und ausbreiten könntet –

»Es ist eine verwünschte Geschichte mit dem Amerika,« seufzte der Mann
wieder, sich hinter dem Ohr kratzend — »man hört so viel davon, und sieht
»Bah, Taube,« sagte Herr Weigel mürrisch — »wenn die Taube auf dem Dach
eben so fest und sicher sitzen bleibt bis man sie holen kann, wie Amerika
ruhig liegt, und auf die wartet die hinüber kommen, so ist sie mir lieber
Geschichten, was man nicht Alles hört auf der Welt. — Nun wollen wir also
einmal sehen was der Herr da aus Amerika schreibt — hm — Washington
County, Tennessee den siebenten Januar 18 — alle Wetter der Brief ist

»Nach Amerika;« sagte der Mann leise — so leise daß sie das Wort wohl
nicht einmal verstand, und nur an der Bewegung der Lippen es sah und

»Auswandern? — nach Amerika? — hm — ich weiß noch nicht,« brummte der
Fremde, sich den Bart streichend — »es wäre aber möglich daß sie Einen

»Nach Amerika!« — Leser, erinnerst Du Dich noch der Märchen in »Tausend
und eine Nacht«, wo das kleine Wörtchen »Sesam« dem, der es weiß, die

»Nach Amerika,« leicht und keck ruft es der Tollkopf trotzig der ersten
schweren, traurigen Stunde entgegen, die seine Kraft prüfen sollte, seinen
Muth stählen — »nach Amerika,« flüstert der Verzweifelte der hier am Rand
des Verderbens dem Abgrund langsam aber sicher entgegen gerissen wurde –
»nach Amerika,« sagt still und entschlossen der Arme, der mit männlicher
Kraft und doch immer und immer wieder vergebens, gegen die Macht der
hier im Vaterlande sieht, und doch nicht betteln _will_, nicht stehlen
_kann_ — »nach Amerika« lacht der Verbrecher nach glücklich verübtem Raub,
frohlockend der fernen Küste entgegen jubelnd, die ihm Sicherheit bringt
vor dem Arm des beleidigten Rechts — »nach Amerika,« jubelt der Idealist,
der wirklichen Welt zürnend, weil sie eben wirklich ist, und über den
Ocean drüben ein Bild erhoffend, das dem, in seinem eigenen tollen Hirn
erzeugten, gleicht — »nach Amerika« und mit dem einen Wort liegt hinter
ihnen, abgeschlossen, ihr ganzes früheres Leben, Wirken, Schaffen — liegen
die Bande die Blut oder Freundschaft hier geknüpft, liegen die Hoffnungen
die sie für hier gehegt, die Sorgen die sie gedrückt — _»nach Amerika!«_

dem, aus jenem Grund — und täglich, stündlich noch hören wir von anderen,
von denen wir im Leben nie geglaubt daß _sie_ je an Amerika gedacht, wie
sie mit Weib und Kind, mit Hab’ und Gut hinüberziehn. Und _dort_? — noch
er selber die Beschwerden eines solchen Lebens leicht ertragen würde,
daran zweifelte er keinen Augenblick; er hatte so viel über Amerika
gelesen, sich mit den dortigen Verhältnissen aus allen erschienenen
»Ja Kinder, Ihr wißt — wir — wir haben doch in den letzten Tagen viel über
Nord-Amerika gesprochen, und auch Manches gelesen — «

»Der Doctor Haide ist ein Esel,« sagte der Professor, den Rauch wieder ein
paar Mal rasch ausstoßend — »wenn der hätte in Amerika ordentlich arbeiten
wollen, brauchte er sich jetzt nicht von einer Winkeladvocatur und vom
eine Frage an Euch zu thun, Kinder — Hättet Ihr — hättet Ihr wohl selber
Lust hinüber nach — nach Amerika zu gehn?«

»Nach Amerika?« rief Anna rasch und auch wohl erschreckt. Marie aber
sprang auf, schlug in die Hände und rief jubelnd:

»Nach Amerika? oh das wäre ja prächtig — das wäre herrlich — nicht wahr da
sind auch Bälle, Väterchen?«
»und was wird Herr Kellmann dazu sagen, wenn er es erfährt? der ist so
immer gegen Amerika, und hat sich schon oft mit Vater darüber gezankt.«

»Ach der macht mir die geringste Sorge,« sagte Anna in ihrem Schmerz
lächelnd — »wenn man _für_ Amerika spricht, schimpft er aus Leibeskräften,
und citirt Gott weiß was für Stellen aus Briefen und Zeitungen, alles

»Herr Kellmann?« lachte Marie — »nun _den_ möcht’ ich in Amerika sehn.«

überzusiedeln und dort, mit bescheideneren Bedürfnissen, von Neuem zu
beginnen; Amerika mit seiner ungeheuren Lebenskraft bot ihnen nach allen
Seiten hin die Möglichkeit der Existenz, und das gut und zweckmäßig
schien — »Ledermann, Mensch, wo sind Sie jetzt mit Ihren Gedanken, im
rothen Drachen bei Heilingen, im Monde, oder in Amerika?«

»Wenn Sie sich eine kleine Farm in Amerika kauften.«

gut, kommen Sie uns hier nicht mit Ihrer alten Leier von dem verdammten
Amerika, und verderben Sie uns das Bier nicht — hier ist auch Nichts zu
verdienen, denn von uns geht doch keiner hinüber.«
weiß noch Niemand was er nächstes Jahr thun wird, und verschwören läßt
sich so eine Sache nun einmal gar nicht — Amerika ist immer noch ein
Zufluchtsort.«
Vogelscheuche über den Erbsen. Wir haben _hier_ eben so viele schlechte
Charaktere wie in Amerika.«

lumpigen Literaten selbst die Hölle himmelblau an, und kleben von oben bis
unten Sterne drüber. Laßt mir jetzt Euer Geschwätz von Amerika hier, oder
ich stehe, Gott straf mich, auf, und setze mich wo anders hin.«
gegangen. ‘Was Schlechtes können Sie dem Mann überhaupt nicht nachsagen,
denn daß er für Amerika wirbt, ist einesteils sein Geschäft, anderntheils
seine Ansicht, und er könnte Ihnen von _seinem_ Standpunkt aus dann
und hinüber werfend — »Jemand unglücklich machen, daß man ihm von einer
Auswanderung nach Amerika abräth, wäre gerade so, als ob ich als eines
Menschen Mörder betrachtet würde, den ich abhalte aus dem dritten Stock
brauchen, die Leute heimlich beschwatzen daß sie Hof und Dienst verlassen
und nach Amerika liefen — ei Du Hallunke, Du kommst mir einmal wieder vor
die Fäuste.«
erzählten sich untereinander wie der »Auswanderungsmann« einen
Schaafknecht vom Gut hätte bereden wollen als »Schaafmeister« nach Amerika
auszuwandern, und vom Verwalter dabei erwischt wäre, und der
die Sache auch schon erledigt, indem die Schiffsanzeige _für_, sein
Artikel aber _gegen_ Amerika und die Auswanderung wäre, und er es sich zum
Grundsatz gemacht hätte, jeden Artikel nach beiden Seiten hin zu
unbedeutender Wichtigkeit, als sich mehre Familien dieser Stadt ernstlich
dahin entschlossen hatten, mit demselben nach Amerika auszuwandern. So
unter Anderen Professor Lobenstein, der sein Haus jetzt verkauft, und der
Auch in dem Dollinger’schen Haus hatten die letzten Wochen bedeutende
Veränderungen hervorgebracht, indem der junge Henkel Briefe von Amerika
erhielt, nach denen seine Anwesenheit dort, dringend nothwendig geworden.
freilich noch, in der kurzen Zeit all die nöthigen und so mannichfachen
Vorbereitungen zu einer Reise nach Amerika für die junge Frau zu treffen.

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